Mein Urlaub in Oaxaca

Am Samstag nach Weihnachten brach ich früh morgens mit (fast) allen anderen Freiwilligen nach Oaxaca auf, wo wir mittags ankamen und, nachdem wir unser Gepäck in einem wirklich schönen Hostel abgelegt hatten, gleich mal die Stadt erkundeten. Obwohl nur ein paar Stunden von Puebla entfernt, herrscht hier schon eine ganz andere Stimmung, das Klima ist wärmer, die Leute (noch) offener und es gibt hunderte von kleinen Hippie-Läden, die Kunsthandwerk oder traditionell gefertigte Kleidung verkaufen. Auf einem Markt probierten wir auch die für Oaxaca typischenTlayudas, eine Art riesige Tortilla belegt mit frijoles, Avocado, Tomaten, Hünchenfleisch und Salat.

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Neben dieser Köstlichkeit ist Oaxaca in ganz Mexiko auch für seine verschiedenen Moles, seine farbenprächtigen Artesanías, eine der besten und ältesten Schokoladen der Welt und natürlich seinen vorzüglichen Mezcal bekannt.

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Farbenfrohe Kleidung auf dem Markt von Oaxaca

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Traditionell handgemachte Teppiche

 

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Solche bunten Holzfiguren werden einfach auf der Straße verkauft

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Noch mehr typische Artesanías

 

Am nächsten Tag unternahm ich dann mit einigen anderen Freiwilligen einen großen Ausflug: zunächst besichtigten wir Monte Albán, die Hauptstadt der antiken Zapoteken. Auf einem künstlich abgeflachten Bergkuppe befinden sich hier heute die beeindruckenden Ruinen von Häusern, Gräbern und Kultstätten.

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Danach machten wir uns nach Santa María del Tule auf, wo wir Tejate, ‚la bebida de los dioses‘ ( das Getränk der Götter) probierten.

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Dies ist eine noch aus der prähispanischen Zeit stammende Spezialität, die damals vermutlich in religiösen Zeremonien verwendet wurde und aus Maismehl, Kakaobohnen und den Samen der Mameypflanze hergestellt wird. Danach besuchten wir den Árbol de Tule, der dickste Baum der Welt, der über zweitausend Jahre alt ist und einen Umfang von über 50 Metern hat!

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Nach diesem beeindruckenden Naturdenkmal aßen wir noch gemeinsam ganz frischen Fisch in einem kleinen Restaurant direkt am See.

Am nächsten Tag machten wir uns dann nach Puerto Escondido auf, wo wir nach einer ziemlich langen Busfahrt abends ankamen und unsere Zelte in einem richtigen Hippie-Hostel bezogen. Das Meer eine Minute entfernt, verbrachten wir hier den Rest der Woche mit surfen, schnorcheln, schwimmen, Kokosnüsse trinken und einfach ein bisschen entspannen…

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Sylvester am Strand war dann auch mal eine ganz eigene Erfahrung, wenn man es doch gewohnt ist, sich beim Anzünden der Raketen die Finger abzufrieren. Das tollste Erlebnis aber war unser Ausflug ins nahe gelegene Mazunte, wo wir auf einem kleinen Boot eine Tour machten und Unmengen an Delfinen, eine Grauwal-Familie und springende Rochen sahen und sogar mit einer Schildkröte schwommen!

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Schwimmen mit Charlotta

 

 

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Der Strand von Mazunte

 

Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis, was sicher niemand von uns jemals vergessen wird!

 

 

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Weihnachten in Mexiko

So, endlich lasse ich mal wieder etwas von mir hören. Dafür, dass jetzt so lange Funkstille auf meinem Blog herrschte, möchte ich mich entschuldigen, aber die Weihnachtsvorbereitungen, die Besuchermassen im Park während der Urlaubszeit und dann meine erste große Reise haben einfach ihren Tribut gefordert! Dafür werde ich jetzt alles über die noche buena, das Weihnachtsfest in Mexiko berichten:

Schon die Wochen vor Weihnachten waren voller Trubel: mit den guías, also den Kollegen, die die Führungen durch den Park halten, machten wir Süßigkeitenwichteln. Jeder zog vorab im Geheimen einen Namen, dem er dann jeden Tag eine Leckerei in seinen Beutel legen musste, was die aufgrund der Besuchermassen ganz schön anstrengend Vorweihnachtstage wenigstens etwas versüßte (wortwörtlich). Am letzten Tag vor meinem Urlaub machten wir dann noch einen richtigen Geschenkeaustausch: ich schenkte Eli Ohrstecker und eine Tasche und bekam von Luis ein Armband und einen kuscheligen Schal, der mich seitdem morgens, wenn es noch kalt ist, auf dem Weg zum Bus schön warm hält.

Mit allen Angestellten, die zum Bereich der Educación zählen, also den guías, den Kollegen vom jardín botánico und der presentación animal und der ‚klassischen‘ Educación machten wir dann noch eine richtige Weihnachtsfeier mit unglaublich leckerem Essen, Geschenken und Spielen.

Die Weihnachtswoche arbeitete ich zwar durch, durfte aber am 24. schon etwas früher nach Hause gehen, um die letzten Vorbereitungen für die noche buena mit der Familie meines Mitbewohners Rodrigo zu treffen. Abends holte mich dann Rodrigo mit seinem Vater ab und wir fuhren zum Haus seiner Eltern, wo ich erstmal mit seinem Vater Genaro, wie auch jedes Jahr in Deutschland, die Krippe aufbaute und schmückte. In einem Sack mit Moos entdeckten wir dann auf einmal eine kleine verirrte Fledermaus, die zuerst etwas benommen wirkte, aber nach ein paar Minuten zum Glück in die Nacht davon flog.

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Währenddessen bereiteten Rodrigos Mutter und zwei Schwestern das riesige Weihnachtsessen vor, sodass wir danach zusammen all diese Leckereien verspeisen konnten: einen saftigen Truthahn, zwei Lasagnen, karamellisierte Bananenscheiben, verschiedene Salate, einer davon mit den für Weihnachten typischen Nüssen und Äpfeln und natürlich Frijoles, Tortillas, Salsas und das unglaub leckere Agua de Jamaica und als Dessert ein dem deutschen Früchtebrot ähnelnder Kuchen, Brownies und ein Blaubeerkuchen.

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Lourdes schneidet den köstlichen Truthahn an

Lourdes schneidet den köstlichen Truthahn an

Fast am platzen aber glücklich hielten wir danach die Posada ab, eine Art Krippenspiel: dabei teilten wir uns in zwei Gruppen auf, wir Männer sangen zuerst draußen und baten um Einlass, danach sangen die Frauen im Haus und anschließend durften wir eintreten uns sangen nochmal gemeinsam. Danach wurde das Jesuskind aus der Krippe auf einem weißen Tuch hereingetragen und von Genaro und Rodrigos jüngster Schwester Abril geschaukelt, während der Rest weitersang.

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Danach wurde es in die Krippe gesetzt und ein kleines Feuerwerk im Garten abgehalten. Dazu muss man aber wissen, dass in Mexiko zu jeder Zeit und zu jedem Anlass Feuerwerksköper gezündet werden. Normalerweise werden an Weihnachten auch noch sternförmige Piñatas zerschlagen, doch da es am 24. leider regnete, verzichteten wir dieses Mal darauf. Nach dem Feuerwerk gab es dann auch eine kleine Bescherung, kurz danach aber brach ich mit Rodrigo nach Hause auf, da ich ja am nächsten Tag arbeiten musste und er noch in der selben Nacht nach Paris in den Urlaub flog. Dieser Weihnachtsabend war also wirklich sehr schön, sodass ich das deutsche Weihnachten nicht vermisste.

Día de los Muertos

Dieses Wochenende war es endlich so weit: das wahrscheinlich berühmteste mexikanische Fest stand vor der Tür: der Día de los Muertos.

Die Ursprünge dieser Feiertage liegen noch in der vorspanischen Zeit, da in der Vorstellung vieler alter mexikanischer Völker wie den Azteken, der Tod eines Menschen nicht sein Ende bedeutete, sondern der Verstorbene einmal im Jahr wieder zurück auf die Erde kommt, um mit seiner Familie und seinen Freunden ein buntes und freudvolles Fest zu feiern. Nachdem die spanischen Priester der Conquista im 16. und 17. Jahrhundert vergeblich versucht hatten, diesen Brauch abzuschaffen, verschmolzen sie ihn schließlich einfach mit den christlichen Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen, woraus sich bis heute ein einzigartiges, farbenprächtiges Fest entwickelte, in dem noch viele Spuren auf die Traditionen der eingeborenen Mexikaner hindeuten.

Die Vorbereitungen auf das Fest beginnen bereits im Oktober, in den Läden kann man calaveras de dulce (Totenschädel aus Zuckerguss) kaufen und die Blumenhändler verkaufen Wagenladungen an knallgelben Cempasúchil-Blumen. In den Familien beginnt außerdem die Planung der ofrenda, also des traditionellen Totenaltars.

Dieser wird mit großem Aufwand geschmückt und besteht aus vielen traditionellen Teilen, später aber mehr dazu. Im Stadtzentrum von Puebla kann man in einigen Gebäuden sehr große und prachtvolle Ofrendas bewundern, von denen viele auch ein bestimmtes Thema haben. Also haben Marie, Helena, Alex und ich uns an einem Abend nach der Arbeit getroffen und haben uns zunächst die riesige Ofrenda im Palacio Municipal angeschaut. Ihr Thema: Puebla im 20. Jahrhundert. Die vielen Figuren erinnerten also an ganz unterschiedliche Dinge, die in der Stadt im letzten Jahruhudert entstanden sind: vom VW-Werk über den Fussballclub Puebla F.C. bis hin zum Africam Safari Park – die liebevoll gestalteten Skelette saßen im Käfer, spielten Fussball oder streichelten einen kleinen Skelett-Tiger.

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Danach spazierten wir durch die Nacht ins Tribunal Superior de Justicia, wo viele kleinere Opferaltäre ausgestellt waren, beispielsweise für die Opfer des Brustkrebs oder von Entführungen.

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Anschließend besichtigten wir noch die Ofrenda im Congreso del Estado de Puebla, die die mexikanische Revolution zum Thema hatte.

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Auch die Educación, also mein Einsatzbereich im Africam Safari Park bastelte letzte Woche an solch einem Gabentisch, da im Park ein kleiner Wettbewerb für die schönste und kreativste Ofrenda ausgelobt worden war. Wir widmeten unseren Altar den ausgestorbenen Arten Mexikos und nutzten viele recycelte Materialien. Wir bastelten zum Beispiel aus gelb angemalten Flaschenböden die Flores de Muertos nach und aus leeren Getränkedosen kleine Kerzenhalter.

Alex, Inés, Luis, Kary und Patricia beim Basteln

Unsere ‚Blumen‘

Übers Wochenende wurde unsere Ofrenda dann aufgebaut, sodass wir uns dann am Montag der Bewertung unseres Altares stellen konnten. Anhand von unserem Gabentisch kann ich Euch gut die vielen verschiedenen Bestandteile einer Ofrenda erklären: traditionell führt von den frisch geputzten Gräbern auf dem Friedhof ein Weg aus Blumen zum Altar für die Toten. Der Überlieferung nach können die Toten die Farbe gelb am besten erkennen, weswegen die gelben Cempasúchil-Blüten dafür verwendet werden. Der Altar selbst besteht dann traditionell aus sieben Stufen: in der alten Tradition standen diese für die sieben Stufen die ins Paradies führten, doch die Spanier deuteten sie um und so stehen sie heute auch für die sieben Todsünden.

Auf dem Altar werden Bilder der Verstorbenen platziert und ihre Lieblingsspeisen und -getränke, manchmal aber auch Tequila und Zigaretten. Für den in der Wildnis ausgestorbenen mexikanischen Wolf hatten wir aus Mandarinen zum Beispiel Kaninchen, für den Kaiserspecht dicke Raupen und für die um 1952 ausgelöschte karibische Mönchsrobbe aus Bananen Fische gebastelt.

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Luis, Miriam, Alex, Ich, Elli und Julian mit unserer Ofrenda

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Die Kreuze zeigen an, wo der Lebensraum der ausgestorbenen Arten lag

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Außerdem darf auf keinem Gabentisch das hojadlra, das Pan de Muertos fehlen, auf dem kleine Knöchelchen aus Teig eingebacken sind.

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Eine süße Hojaldra mit Zucker

Auch die Totenschädel aus Zuckerguss werden auf den Altar gestellt, sowie Früchte, Kerzen und Blumen.

Der Altar sowie der gesamte Raum werden mit dünnen, bunten papel picado – Girlanden dekoriert, auf denen ebenfalls Skelette dargestellt werden.

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Manchmal wird auch noch ein Plakat neben den Altar gehängt, das nochmal die Bedeutung der Ofrenda erläutert.

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Den Kollegen, die die Ofrendas bewerteten gefiel an unserer besonders, dass wir die traditionellen Bestandteile mit unseren eigenen neuen Ideen verknüpft haben und somit verliehen sie uns schließlich sogar den ersten Preis.

Aber das war noch längst nicht mein ganzer Día de los Muertos, denn Helena, Melanie, Marie, Eder und ich hatten relativ spontan entschlossen, das Wochenende über in die kleine Stadt Naolinco zu fahren und dort die Feiertage zu verbringen. Somit standen wir am Samstag um sechs auf, um vom CAPU, dem Bus-Hauptbahnhof von Puebla nach Xalapa im Bundesstaat Veracruz zu fahren, während der Fahrt bemerkte man schon eine Veränderung der Landschaft, während der Staat Puebla vor allem aus riesigen Steppen zu bestehen scheint, wurde es in Veracruz dann immer größer und wir fuhren an großen Wäldern entlang, die einen schon ein bisschen an Deutschland denken ließen. In Xalapa hatten wir dann ein Zimmer im Hostal de Niebla, was sich als echter Glücksgriff herausstellte: im Zentrum gelegen, aber trotzdem sehr ruhig, ausreichend große Betten (sogar für mich!), unser Schlafsaal wurde nur von uns benutzt und am Sonntag morgen bekamen wir sogar ein kleines Frühstück. Dort legten wir aber nur kurz unsere Sachen ab, bevor wir uns dann ins rund eineinhalb Stunden entfernt gelegene Naolinco aufmachten. Dort kamen wir dann am frühen Nachmittag an und konnten sofort die ersten calavera catrinas, Skelette aus Draht und Pappmaché, bewundern. In der für seine Ledercowboystiefel berühmten Kleinstadt standen Dutzende davon mitten auf der Straße, über die wieder die bunten Papiergirlanden gespannt waren.

Nachdem wir uns bereits unzählige angeschaut hatten, aßen wir in einem Restaurant, in dem man auch Lederwaren kaufen konnte. Danach war die Sonne bereits unter gegangen und wir bummelten weiter durch die inzwischen vollen Straßen. Einige Menschen hatten sich ebenfalls als Tod geschminkt und verkleidet und zogen ruhig durch die Menschenmengen.

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Auch wenn oft betont wird, dass der Día de los Muertos ein freudiger Tag ist, gedenken viele Mexikaner ihrer Verstorbenen doch eher ruhig und trauern um sie. Durch diese stillen Spaziergänger entstand aber eine sehr schöne, beinahe unwirkliche anmutende Stimmung in den dunklen Gassen von Naolinco. Als wir gerade dachten, dass wir nun alles gesehn hätten, öffnete sich jedoch direkt neben uns die Tür eines Hauses und eine Gruppe schwarz gekleideter Männer und Frauen, mit geschminkten Gesichtern und Kerzen in den Händen trat auf die Straße.

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Sie stellten sich in einer Reihe auf und zogen wie ein schwarzer, schweigender Totenzug einige Minuten durch die Zentrum der Stadt.

Dann betraten sie eine Schule und teilten sich auf. Inzwischen folgte ihnen eine immer größer werdende Menschenmenge und auch wir begaben uns in das Schulgebäude. Neben einer wunderschönen Ofrenda und einigen Kunstwerken sahen wir dort zunächst nichts, doch im Hof dann waren unglaublich viele Catrinas aufgebaut und wir staunten über die vielen liebevollen Details.

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Immer wieder ertönte ein lautes, gruseliges Stöhnen aus Lautsprechern und an einem quer gespannten Seil schwebte eine Totenbraut gespenstisch über den Platz. Auch aus dem Sarg erhob sich von Zeit zu Zeit ein als Tot bemalter Junge und erschreckte die umher stehenden Kinder, die natürlich trotzdem daneben stehen blieben und jedes Mal mit lautem Gekreische die lebende Leiche begrüßten. Am Ausgang war eine dunkle Bar aufgebaut, an deren Tischen sowohl lebende Catrinas, als auch einige aus Pappmaché, rauchten, tranken und Karten spielten.

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Als wir das gespenstische Schulhaus verlassen hatten begaben wir uns auf den Friedhof von Naolinco. Auch das ist nämlich eine Tradition in Mexiko, dass man am Día de los Muertos die gräber der Verstorbenen putzt und festlich schmückt und einige Familien feiern dort dann auch eine kleine Fiesta.

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Auch auf dem Friedhof stand eine lebende Catrina

Aber auch all dies lief sehr ruhig und respektvoll, sodass man sich gar nicht über die Menschenmenge wunderte, die da mitten in der Nacht über den Friehof lief. Danach mussten wir aber leider den Bus nach Xalapa nehmen, wo wir wirklich todmüde in unsere Betten fielen. Am Sonntag wollten wir dann noch ein bisschen Xalapa besichtigen und was entdeckten wir da? Genau, den nächsten Totenzug.

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Marie und ich liefen dann einfach eine Runde mit, bevor die Gruppe dann am Zócalo von Xalapa Halt machte. Und dort erlebten wir dann wieder eine Riesenüberraschung, denn die Catrinas tanzten auf einmal alle den gruseligen Tanz zu Michael Jacksons Klassiker ‚Thriller‘ und viele ebenfalls verkleidete gesellten sich einfach dazu und tanzten einfach mit.

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Danach bummelten wir noch ein bisschen durch Xalapa und fuhren dann am späten Nachmittag zurück nach Puebla.

Ich bin wirklich unglaublich froh über diese kleine Reise und all die unglaublichen Eindrücke, die diese Tage bei mir hinterlassen haben. So völlig fremde und neue Dinge erleben zu dürfen, zählt für mich mit zu den schönsten Dingen, die mir mein Freiwilligendienst ermöglicht und ich bin unendlich dankbar für all das.

Dies und das aus Mexiko

So, endlich komme ich mal wieder dazu, Euch von meinen Erlebnissen der letzten Wochen zu berichten! Ich habe wirlich viele Dinge erlebt, deswegen wird dieser Artikel ein ziemliches Durcheinander werden, aber genauso ist das Leben in Mexiko nun mal: abwechslungsreich und sehr spontan.

Da ich ja aus einem Vorort von München komme, habe ich hier in Mexiko natürlich schon das Münchner Oktoberfest ein wenig vermisst. Aber als ich mich vorletzten Freitag abends mit den anderen Freiwilligen und einigen Mexikanern in Cholula traf, standen wir plötzlich neben dem ‚Rok Pub‘, der ausgerechnet an diesem Abend das Motto ‚Oktoberfest‘ hatte! Und nachdem ich die anderen ein paar Minuten lang wie ein kleines Kind, dass den süßen Duft der gebrannten Mandeln vom Oktoberfest in der Nase hat, angebettelt hatte, war ich schließlich erfolgreich und schleifte alle auf meine Ersatz-Wiesn. Abgesehen von mehr oder weniger bayerischer Dekoration und unglaublich geschmacklosen Lederhosen, die sowohl männliche, als auch weibliche Bedienungen trugen ( was wirklich eine der größten Sünden, die man in Bayern verüben kann, darstellt), gab es aber nicht viel, was mich an den zweiwöchigen Ausnahmezustand in München erinnerte.

Als wir aber ein wenig später zu den Klängen einer ziemlich guten, aber sehr lauten mexikanischen Rockband Billard spielen wollten, wurde ich doch noch für meine Mühe belohnt: da alle Tische besetzt waren, fragten wir ein junges Pärchen, ob wir mit ihnen spielen könnten. Und wie sich heraustellte, war die junge Frau nicht nur auch aus Deutschland, sondern kommt sogar aus dem selben Dorf wie ich! Das war ein wirklich riesiger Zufall, über 9000 Kilometer von zuhause entfernt jemanden aus der Heimat zu treffen.

Am nächsten Tag sollte dann eigentlich der Geburtstag von Rodrigos Bruder Mario gefeiert werden, da er aber erst am späten Abend aus Mexiko City ankam, wurde das kurzerhand auf Sonntag verschoben. An solche spontanen Änderungen gewöhnt man sich hier aber sehr schnell, denn viele Mexikaner lieben es anscheinend Pläne zu schmieden, nur ob diese dann aber auch wirklich umgesetzt werden, ist dann meistens noch eine ganz andere Frage.

Am Sonntag Morgen besuchte ich dann aber erstmal das San Pedro Museo de Arte, ein staatliches und deshalb kostenloses Kunstmuseum. Zurzeit werden dort die Werke einer Künstlergruppe names Kyron ausgestellt. Zwischen 1972 und 2004 schufen drei Generationen von Künstlern aus Mexiko und Lateinamerika wirklich ausgsprochen interessante und beeindruckende Lithographien, die in Lateinamerika, Europa und Asien ausgestellt wurden, jedoch bisher nie in ihrem Ursprungsland. Puebla ist also die erste Stadt in Mexiko, die die Werke der 27 Künstler, darunter beispielsweise Lucía Maya, Remigio Valdés de Hoyos, Francisco Zúñiga oder Armando Morales zeigt. Mich hat die Sammlung wirklich sehr beeindruckt und falls Ihr euch auch einige Kunstwerke anschauen möchtet, solltet Ihr einfach mal im Internet nach den Künstlern suchen, einige zeigen auf ihren Websites ihre Werke.

Danach bummelte ich ein wenig über den El Parian Markt, ein fester Markt, auf dem man verschiedenes mexikanisches Kunsthandwerk kaufen kann. Dort holten mich dann Roodrigo und Lourdes ab und wir fuhren gemeinsam in ein sehr feines Restaurant, wo uns ein riesiges Buffet erwartete. Nachdem wir uns mit den Köstlichkeiten den Bauch vollgeschlagen hatten, fuhren wir mit einem großen Teil der Familie ins Haus von Rodrigos Eltern und feierten dort noch ein wenig weiter, packten die Geschenke aus und aßen den Geburtstagskuchen.

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Das war wirklich ein sehr schöner Tag, an dem ich viel über die mexikanische Kultur und ihre Bräuche gelernt habe.

Am Montag lernte ich dann aber einen ganz anderen Teil dieser Kultur kennen, denn Marie, Helena und ich schauten uns in der Arena Von Puebla die Showkämpfe der Lucha Libre an. Da wir sehr früh da waren, konnten wir uns unsere Plätze selbst aussuchen und nahmen in der Mitte Platz, von wo aus wir eine sehr gute Sicht auf das skurrile Spektakel hatten. Wie sich dann aber herausstellte, waren wir zufälligerweise in dem Flanblock einer Gruppe der mexikanischen Wrestler gelandet. Unsere Sitznachbarn fieberten also unglaublich mit den Kämpfern mit, feuerten ihre Favoriten an und brüllten ihre Gegner nieder. Nach einer Stunde reichte uns das dann aber und wir machten uns nach Hause auf, schließlich mussten wir ja auch am nächsten Tag arbeiten. Leider hatten wir aber alle unsere Kameras vergessen, also müsst ihr vorerst auf Bilder verzichten. Ich werde aber sicher nochmal hingehen und dann alles für Euch festhalten.

Aber auch in der Arbeit ereigneten sich viele neue Dinge: in den vergangenen zwei Wochen besuchten uns immer wieder Schulklassen, die von uns spezielle Führungen durch den Park erhielten. Dabei müssen sie verschiedene Aufgaben erledigen und wir stellen ihnen einige besondere Tiere vor. Ich durfte den Kindern bisher also schon den Leguan und, was mich ganz besonders freute, unseren Uhu und eine Schleiereule präsentieren.

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Unser Uhu

Die Kinder sind von den Tieren immer total fasziniert, sind unglaublich neugierig und stellen hunderte Fragen, die ich mit meinem Spanisch so gut wie möglich versuche zu beantworten. Da ich aber mit meinen Kollegen beinahe ausschließlich spanisch spreche, geht das immer besser und dieArbeit macht auch immer mehr Spaß, da man die anderen nun besser kennen lernen und so langsam richtige Gespräche führen kann.

Unter der Woche kam auf Alex und mich aber eine richtige Herausforderung zu: eines Mittags trug uns Kary nämlich auf, unsere Python in lauwarmes Wasser zu legen und dann die winzigen Parasiten, die sich unter ihren Schuppen eingenistet hatten, herauszupulen. Alex und ich standen dann jedoch erstmal ziemlich ratlos und mit viel Respekt vor der knapp zwei Meter langen Schlange und wussten nicht so wirklich, wie wir das nun anstellen sollten. Wir liefen also zurück ins Officina, wo uns Kary erklärte, einer von uns solle einfach den Kopf festhalten, während der andere die winzigen schwarzen Tierchen entferne. Immer noch mit viel Respekt machten wir uns also an die Arbeit, wobei uns die ziemlich neugierige Python, die sich ständig aus der Kiste schlängeln wollte, die Arbeit nicht gerade leichter machte. Am nächsten Tag kam dann aber zum Glück Braulio, ein Reptilienspezialist von Africam vorbei und zeigte uns, wie wir die Schlange tragen und halten können, sodass wir uns langsam immer sicherer fühlten und am Ende der Woche, nachdem wir die Schuppen der Schlange noch mit Medizin eingerieben hatten, sie endlich wieder parasitenfrei war. Jetzt haben wir also auch gelernt, wie wir mit diesem am Anfang doch ganz schön respekteinflößenden Tier umgehen müssen.

Diesen Samstag fand dann bei uns im Park etwas ganz besonderes statt: der Reto Commander 2014. Schon seit Wochen wurde ich immer wieder von verschiedenen Mexikanern darauf angesprochen und auch meine Kollgen fieberten seit Tagen darauf hin und trafen Vorbereitungen für diese Veranstaltung. Der Commander ist nämlich ein zehn Kilometer langer Lauf, der über Stock und Stein und 31 Hindernisse führt. Eigentlich kostet die Teilnahme an diesem Lauf 900 Pesos, aber Luiz konnte für uns aushandeln, dass Alex und ich kostenlos teilnehmen dürften, wenn wir bei tagsüber bei verschiedenen Stationen mithelfen. Alex und ich sagten natürlich sofort zu und so quälte ich mich am Samstag Morgen um halb sechs aus dem Bett und noch in der stockfinsteren Nacht nach Africam.

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Der Sonnenaufgang über dem Festgelände

Dort angekommen, packten wir Freiwilligen Helfer unser Lunchpaket ein und machten uns dann auf den Weg zur Rennstrecke. Zunächst liefen wir die ersten Kilometer ab, doch dann gabelte uns ein Pickup auf und wir quetschten uns alle zusammen auf die Ladefläche. Eigentlich war der Plan, dass wir an verschiedenen Hindernissen stationiert werden sollten, und eventuellen Verletzten oder verirrten Läufern helfen sollten, aber irgendwie wurde dieser Plan verworfen ( ganz was neues in Mexiko) und wir fuhren zurück zum Beginn der Strecke. Hier hatten sich inzwischen mehrere hundert Läufer eingefunden, die auf ihre Starterlaubnis warteten. Alex und begaben uns dann zu unserem Zelt der Educación, wo unsere Kollegen die Kinder schminkten oder auch manchen Läufern eine Kriegsbemalung verpassten. Gegen zwei Uhr, machten wir uns dann zun Rennstrecke der Kinder auf, wo wir am ersten Hindernis auf die Kinder achten sollten und sie natürlich kräftig anfeuerten. Da die Baumstämme aber recht glitschig wurden, landeten bald beinahe alle Kinder im Wasser, doch sie machten trotz nasser Schuhe und Hosen tapfer weiter.

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Die Kinder mussten nur fünf Hindernisse bewältigen – aber die hatten es in sich!

Und gegen halb vier war es dann endlich soweit: die Angestellten von Africam durften endlich loslaufen!

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Unsere Truppe vor dem Lauf

Unter der brennenden Sonne robbten wir unter Stacheldraht durch getrockneten Schlamm, hangelten uns über einen riesigen Haufen Elefantenmist, sprangen und durchschwommen einen See, rannten mit schlammverschmierten Schuhen ein Flussbett entlang, Geröllberge hinunter und kletterten Wasserfälle hoch.

Unter Stacheldraht durch Schlamm robben,

über verschiedene Hindernisse klettern..

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oder in einen See springen und durchschwimmen – die 31 Hindernisse waren echt hart!

 

Nach rund zwei Stunden kam ich dann mit Krämpfen in den Beinen, mit einem mit Erde und (fremdem) Blut beschmierten T-Shirt und klitschnassen Schuhen, aber trotz allem überglücklich im Ziel an und durfte mir meine Medaille und das Shirt, das das Überleben des Commanders bestätigt, abholen. Dieser Lauf machte uns allen wirlich unglaublich viel Spaß und schweiste uns richtig zusammen. Ich hoffe wirklich, ich werde hier noch viele so aufregende Momente mit unserem Team erleben, denn das war wirklich eine tolle Erfahrung!

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Wir haben es geschafft!

 

PS: Da sich immer wieder, vor allem wegen den Vorfällen im Budesstaat Guerrero, besorgte Freunde und Bekannte bei mir melden, sage ich Euch heute, dass ihr Euch wirlich keine Sorgen machen müsst. Puebla zählt zu den sichersten Städten Mexikos und wir haben hier noch keine einzige brenzlige Situation miterlebt. Wir Freiwilligen haben vom Roten Kreuz Sicherheitsvorschriften bekommen und erhalten auch immer wieder Updates über Änderungen der Sicherheitslage. Wir halten uns an diese Regelungen und gehen keine Risiken ein.

Ihr könnt also ruhig schlafen und Euch schon auf meinen nächsten Artikel, dann über den legendären Día de los Muertos freuen!

Meine ersten Arbeitstage

So, wie angekündigt kann ich Euch heute endlich genau berichten, wie meine Arbeit im Africam Safari Park aussieht:

Der Park hat vier wichtige Grundsätze: Investigación, Conservación, Recreación und Educación. Alex und ich arbeiten zurzeit gemeinsam im Bereich der Educación, die sich mit speziellen Lehrprogrammen für Schüler, Lehrer und kleine Gruppen beschäftigt. Für diese Kurse stehen verschiedene Tiere zur Verfügung, die in einem ‚Vivarium‘ genannten Bereich leben, wo wir zurzeit hauptsächlich arbeiten. Ein typischer Arbeitstag läuft ungefähr so ab:

Morgens gegen zwanzig nach acht verlasse ich meine Wohnung und laufe eine halbe Stunde durch Puebla zum Büro von Africam. Von dort fährt dann ein Bus für die Mitarbeiter zum Park, in dem ich dann erstmal meine Arbeitskleidung anlege und dann mit einem Mitarbeiter ins Vivarium gehe.

Unser Mitarbeiterbus - ein alter, amerikanischer Schulbus

Unser Mitarbeiterbus – ein alter, amerikanischer Schulbus

Dort haben wir zurzeit fünf Nasenbären, drei Wasserschildkröten, eine Python, eine Boa, eine Riesenkröte, drei Leguane, einige Landschildkröten, Wachteln und Hummer, ein Opossum, einen Wickelbär, drei Katzenfrette und zwei Gleithörnchen.

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Unser Leguanmännchen

Die Wasser- und Futternäpfe müssen eingesammelt und abgespült werden, Leguane, Wachteln und Wasserschildkröten müssen in ihre Freigehege gebracht werden, das Essen muss unter den Stichen unzählbarer Mosquitos zubereitet und die Gehege gereinigt werden. Diese Arbeiten nehmen meistens den ganzen Vormittag in Anspruch, sodass wir gegen zwei Uhr mit knurrendem Magen zum Essen in die Kantine gehen können. Dort kann man jeden Tag Salat, Suppe, Reis, Frijoles, ein vegetarisches und ein Fleischgericht, ein Dessert und natürlich Tortillas essen, und zum Trinken gibt es immer selbstgemachten Guayaba- oder Birnensaft, oder aber mein Lieblingsgetränk: Agua de Jamaica, ein unglaublich leckeres Getränk aus Hibiskusblüten.

Beim Rausbringen der Leguane muss man vorsichtshalber Handschuhe tragen

Die alte Nasenbär-Dame Dalila genießt die warme Nachmittagssonne

Nach dem Essen kommt dann immer der angenehmere Teil des Tages: wir sollen nämlich das Vertrauen der Tiere gewinnen, sodass sie den Touristen besser vorgestellt werden können . Dazu nehme ich dann zum Beispiel einfach das von Hand aufgezogene Opossum Euripides auf den Schoß, setze mich in die Sonne und lasse es auf mir herumklettern. Oder ich setze mich zum Nasenbär Rex und lasse ihn an meinen Schuhen nagen und meine Taschen durchstöbern. Das ist wirlkich ein wunderschöner Teil meiner Arbeit.

Rex liebt es, meine Taschen zu durchstöbern…

…und meine Schuhe sind auch sehr interessant

Aber wir haben auch noch andere Aufgaben, so beginnen wir zurzeit damit, die Gehege der Tiere mit mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu versehen, damit sie beispielsweise bei der Nahrungsaufnahme mehr gefordert sind. Anfangs ist auch ein wichtiger Teil, dass wir im Büro Artikel über die Tiere des Vivariums lesen, damit wir ihr Verhalten besser verstehen und auf sie eingehen können. So gegen 16 Uhr beginnen wir dann damit, das Vivarium zu schließen, also die Tiere wieder in ihre Innengehege zu bringen und wenn nötig nochmal mit frischem Essen und Trinken zu versorgen. Danach dürfen wir dann nach Hause fahren, sodass ich meisten zwischen sechs und halb sieben ziemlich erschöpft, aber glücklich zu Hause von Gaia und Jude stürmisch in Empfang genommen werde.

Diese Arbeit werde ich nun die nächsten Wochen erledigen, bis Alex und ich irgendwann in getrennten Bereichen arbeiten und dann irgendwann mal tauschen werden. Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, mit den Schulklassen zu arbeiten, was ich auch schon einen Tag machen durfte oder beim Trainieren der Vögel für die Aves Show mitzuhelfen.

Jetzt aber noch zu einem ganz anderen Punkt, denn letztes Wochenende hatten wir Freiwilligen wieder einmal ein Treffen mit unserem Koordinator Reinhart in Zavaleta. Samstag Vormittag berichteten wir alle ausführlich von unseren Einsatzstellen und unseren Gastfamilien. Es war wirklich sehr interessant, mal genauer von den Arbeiten der anderen Voluntarios, von ihren Familien, ihren Problemen und Erfolgen zu hören. Danach fuhren wir gemeinsam Pozole essen, eine Art Suppe mit dicken weißen Maiskörnern, Salat und Hühnchenfleisch, die wirklich sehr lecker schmeckt und ein typisch mexikanisches Gericht ist. Anschließend setzten uns Reinhart und seine Frau bei der Pyramide von Cholula ab und wir genossen nochmal den Blick von der Kirche, die auf ihrer Spitze erbaut ist.

Nachmittags erhielten wir von Reinharts Frau nochmal einige Infos zum Thema Beziehungen mit Mexikanern bzw, Mexikanerinnen und danach stellte jeder seine Lieblinsattraktion von Puebla auf Spanisch vor.

Nachdem wir alle bei Reinhart übernachtet hatten, brachen wir dann am Sonntag morgen mit meinem Mitbewohner Rodrigo zu den Wasserfällen von Huehuetlán auf. Mit drei Autos fuhren wir ungefähr zwei Stunden über Stock und Stein, bis es für die Autos nach einer Flussdurchquerung nicht mehr weiterging und wir dann also nochmal zwei Stunden am Fluss entlang kletterten.

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Rodrigo steuerte sein Auto zum Glück ziemlich sicher durch den Fluss

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Dieser Hund begleitete uns den ganzen weg über bis zu den Wasserfällen

Dieser Hund begleitete uns den ganzen weg über bis zu den Wasserfällen

Wir wanderten die ganze Zeit neben dem wunderschönen Flussbett

Wir wanderten die ganze Zeit neben dem wunderschönen Flussbett

Am anderen Flussufer grasten Esel, die von den Einheimischen zum Transport benutzt werden

Am anderen Flussufer grasten Esel, die von den Einheimischen zum Transport benutzt werden

Reinhart war ein super Wanderführer!

Um trockenen Fußes durch den Fluss zu kommen, musste man schon mal die Schuhe ausziehen

Mittags kamen wir dann am ersten Wasserfall an und genossen es, unter dem Wasserfall zu baden.

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Der untere Wasserfall

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Nachdem wir uns wieder abgetrocknet hatten, kletterten wir noch einige Meter höher zum nächsten Wasserfall, wo wir unsere Brotzeit machten und den Blick über das atemberaubende Flusstal mit den kaktusbewachsenen Hängen genießen konnten.

Rodrigo und ich auf dem Weg zum zweiten Wasserfall

Unser Picknick neben den Wasserfällen

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Der Ausblick ins Tal während unserer Brotzeit

Der obere Wasserfall

Der obere Wasserfall

Nachdem wir dort nochmal gebadet hatten, machten wir uns wieder auf den nach Hause-Weg, den Marie, Melina und ich sogar einfach mal Barfuß bewältigten!

An den Hängen wachsen riesige Kakteen

Viele Einheimische leben dort sehr einfach und haben auch solche Hütten

Als wir abends wieder nach Hause kamen, mampften Rodrigo und ich dann überglücklich einen riesigen Haufen Pizza, tranken meinen ersten Mezqual und machten schon voller Vorfreude Pläne für die nächste Wanderung in zwei Wochen. Gestern war für mich der bisher vielleicht schönste Tag in Mexiko und ich bin unendlich dankbar für all die wunderschönen Momente in meiner Arbeit und der Freizeit, die ich hier erleben durfte und noch werde. Bis zum nächsten Mal!

Meine ersten Unternehmungen

So, endlich komme ich wieder dazu, Euch von meinen Erlebnissen der letzten Wochen zu berichten. In den letzten Tagen war ich leider ziemlich krank und hatte auch für ein paar Tage kein Internet, deswegen hat dieser Artikel so lange auf sich warten lassen. Dafür hab ich aber auch viele Dinge erlebt:

Zunächst einmal haben wir in unser WG einen Zuwachs zu verzeichnen, Pablos Freundin Natalia und ihr Hund Jude leben jetzt seit einer knappen Woche bei uns, also hat unsere Männer-WG jetzt doch noch eine weibliche Prise abbekommen!

Ansonsten hat sich noch nicht viel verändert und da ich ja erst am Donnerstag meinen ersten Arbeitstag hatte, konnte ich also letzte Woche ganz viel unternehmen: einfach ganz klassisch touristisch durch die Stadt bummeln und die vielen Sehenswürdikeiten besichtigen, aber auch schon mal Rodrigos Insider-Tipps nutzen, und zum Beispiel in der Casa de la Cultura gratis ins Kino gehen. Dort schaute ich mir mit Marie, Melanie und Sara ein paar mexikanische Kurzfilme an, die dann aber so alternativ waren, dass wir beschlossen, uns im Innenhof der Casa lieber eine Aufführung verschiedener mexikanischer Volkstänze anzusehen. Die Tanzgruppe zeigte in verschiedenen Trachten typische Tänze aus unterschiedlichen Gebieten Mexikos, wobei uns alle ganz besonders ein Tanz mit offenen Cerveza-Flaschen auf dem Kopf beeindruckte, von denen glücklicherweise keine zu Bruch ging.

Das Ballet Costumbrista de Puebla

Das Ballet Costumbrista de Puebla

An einem anderen Tag besuchte ich mit Melina, Hanna, Helena und Marie das Agua Azul, ein Schwimmbad, in dessen Becken sich jedoch ausschließlich Schwefelwasser befindet. Leider riecht und schmeckt das Wasser deshalb aber ziemlich stark nach fauligen Eiern, sodass wir uns in dem gewöhnungsbedürftigen Schwimmbad nicht allzulange aufhielten, sondern uns draußen lieber viel besser schmeckendes mexikanisches Essen in unsere Bäuche schaufelten.

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Hanna, Melina, Helena und ich im Dschungel vom Agua Azul

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Und mit gutem Essen ging es am nächsten Tag gleich weiter, denn ich durfte mit Marie und ihrer Mutter zu einem Direktverkauf mexikanischer Süßigkeiten fahren, wo wir uns mit Pralinen und anderen dulces nur so eindeckten!

Kleine, leckere, mexikanische Sünden!

Kleine, leckere, mexikanische Sünden!

Aber auch das Nachtleben von Puebla haben wir schon begonnen zu erkunden: letzten Samstag wollten wir eigentlich alle mit Ivette, einer Mexikanerin, die wir auf unserer ersten Fiesta kennen gelernt haben, ins Mambo Cafe tanzen gehen, aber irgendwie bin ich dann mit Alex und Rodrigo bei Chips und Bundesliga in meiner WG hängen geblieben. Nächstes mal werd ich aber sicher mitgehen, schließlich können wir Deutschen von den Mexikanern im Tanzen noch wirklich sehr viel lernen!

An einem anderen Abend haben uns Melanies Gastgeschwister Abril und Aarón die Bar A Go Go gezeigt, eine super Studentenbar keine fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt! Da gibts einfach alles was man braucht: total leckeres Essen in riesen Portionen, günstige Getränke, junge, nette Mexikaner und tolle Livemusik! Ihr merkt schon, ich gerate hier wirklich ins schwärmen, aber das war wirklich ein sehr schöner Abend.

Bar A Go Go mit Levi, Roberto, Abril, Melanie, Helena und Marie

Bar A Go Go mit Levi, Roberto, Abril, Melanie, Helena und Marie

Letzten Montag war dann etwas ganz besonderes, nämlich der Vorabend des mexikanischen Unabhängigkeitstages, dem Nationalfeiertag am 16. September. An diesem Tag besinnt man sich im ganzen Land dem Beginn des bewaffneten Widerstandes gegen die spanische Kolonialherrschaft 1810, der aber erst 1820 endlich in der Unabhängkeit Mexikos endete. Um 23 Uhr am Vorabend, also dem 15. September inszeniert in Mexiko Stadt der Präsident den ‚Grito de Dolores‘, also die Worte „Viva México! Viva la Independencia!“, mit denen der Priester Miguel Hidalgo die Bürger des kleinen Städtchens Dolores zur Revolution aufforderte. Danach feiern die Menschen auf allen großen Plätzen und Straßen des Landes mit Feuerwerken und lassen ihrem Patriotismus und Nationalstolz freien Lauf, bevor es dann am nächsten Tag mit ewig langen Militärparaden weitergeht. Wir haben den Abend vom 15. September aber etwas friedlicher verbracht, Helena, Marie, Sara und ich haben mit Saras Mutter Lourdes mexikanisch gekocht und wollten eigentlich auch deutsche Knödel beisteuern, unser Versuch ist aber leider kläglich gescheitert.Nichtsdestotrotz hatten wir ein superleckeres Essen und konnten den ‚Grito‘ dann später gemütlich vom Sofa aus im Fernsehen verfolgen.

Am Mittwoch hatten wir dann wieder mal einen Termin bei der Migracion wegen unserer Visa, der aber, obwohl ein großer Teil der Freiwilligen, zu denen leider auch ich zählte, ziemlich krank dort erschienen, halbwegs erfolgreich verlief. Und am Donnerstag war es dann endlich soweit, mein erster Arbeitstag im Africam Safari Park stand an. Und der begann gleich mal denkwürdig: natürlich wollte ich am ersten Arbeitstag pünktlich kommen und nahm deshalb ein Taxi, das mich bei dem Bus absetzen sollte, der die Mitarbeiter zum Park bringt. Da ich aber seit einigen Tagen keine Internetverbindung besaß, hatte ich mir die Adresse nicht korrekt aufschreiben können und landete deshalb anstatt in der 24 Sur ( also im Gitterstraßennetz Pueblas im Süden ), in der 24 Norte (genau, Norden!), also am anderen Ende der Stadt. Demzufolge verpasste ich den Bus, rannte durch die halbe Stadt auf der Suche nach einem anderen Bus, der mich nach Africam bringen sollte und wurde schließlich von Julian, einem Mitarbeiter von Africam per SMS zu einem Mini-Bus gelotst, der mich dann mit rund zwei Stunden Verspätung im Park absetzte. Von wegen deutsche Pünktlichkeit also! Nachdem ich mich hundertmal entschuldigt hatte, durfte ich dann aber erstmal mit Alex, dem anderen Freiwilligen eine Touristenrundfahrt durch den Park machen. Danach wurden uns noch die Verwaltungsgebäude gezeigt, uns unsere Uniformen gegeben und wir wurden unseren neuen Kollegen und Vorgesetzten vorgestellt, die uns sofort total freundlich Willkommen hießen und mir erstmal ein Lemurenbaby auf den Arm setzten. Der Tag endete also glücklicherweise weitaus besser, als er begonnen hatte und ich freue mich schon riesig darauf, wenn morgen unsere Arbeit dann wirklich losgeht!

Das nächste mal kann ich Euch dann sicherlich genauer berichten, was genau meine Aufgaben im Africam Safari Park sein werden.

¡Bienvenidos a México!

Mein erster Eintrag aus Mexiko!!! Die ersten Tage in Puebla waren so umwerfend und so voller neuer Erfahrungen, dass ich erst heute ein paar ruhige Minuten gefunden habe, um Euch von all dem zu berichten, was ich hier bisher erlebt habe:

Unser Flieger nach Mexiko Stadt

Unser Flieger nach Mexiko Stadt

Samstag kamen wir Freiwilligen um halb sieben abends in Mexiko City an, wo wir von unserem Koordinator Reinhart und zwei seiner Kinder ganz herzlich empfangen wurden und gleichmal die mexikanische Art sich zu begrüßen üben mussten: unter Männern umarmt man sich ohne Kontakt mit der Wange und klopft sich auf den Rücken, mit Frauen aber immer mit Berührung der Wangen und einem stark an Heidi Klum erinnernden Schmatzer. Am Flughafen sind wir dann gleich alle zusammen in einen Bus nach Puebla gestiegen, wo wir nach zwei Stunden Fahrt von unseren Gastfamilien abgeholt werden sollten. Sara und ich wurden von Rodrigo und seinem Freund Mario in Empfang genommen und gemeinsam fuhren wir direkt zu Saras Familie, also Rodrigos Eltern. Dort nahmen uns Lourdes und Genaro wirklich total freundlich auf und zusammen genossen wir unsere erste richtig mexikanische comida. Was Lourdes da in Unmengen an Töpfen und Schälchen und Körben auf den Tisch stellte, war wirklich der perfekte Empfang für uns ausgehungerte Reisende! Da wir ja aber durch den langen Flug und die Zeitverschiebung ziemlich müde waren, brachte mich Rodrigo nach dem Essen in unsere WG. Und die übertraf wirklich alle meine Erwartungen: direkt im historischen Zentrum von Puebla gelegen, und richtig viele, riesige Zimmer: für alle vier Bewohner natürlich ein eigenes, eine moderne Küche, zwei Bäder, ein Wohnzimmer mit Beamer zum Filme schauen und zwei Innenhöfe, von denen aus man auf das Dach steigen kann!

Der Eingang zu meiner WG befindet sich in einer Bücherei

Der Eingang zu meiner WG befindet sich in einer Bücherei

Der Blick vom Dach meiner WG DSCN0116

In der WG wurde ich von Gaia, unserer Hündin schon an der Tür überschwenglich in Empfang genommen, die sich sofort auf den Rücken warf und sich den Bauch kraulen ließ.

Unsere Gaia

Unsere Gaia

Obwohl der Tag zuvor mich wirklich geschafft hatte, war ich am Sonntag dann schon um 6:30 wach, einer Uhrzeit, zu der ich in Deutschland, wenn ich überhaupt schon wach bin, stark an einen hirntoten Zombie erinner! Hier aber konnte ich vor lauter Aufregung keine Minute länger schlafen. Nach dem Frühstück holten Rodrigo und ich Sara und Mario ab und machten gleich mal eine große Tour durch Cholula und Puebla: zuerst machten wir uns zu einer für ihren überbordenden Schmuck in ganz Mexiko bekannten Kirche in Cholula auf. Danach fuhren wir schon zu einem ersten Highlight in unserer Sight-Seeing-Tour: die Gran Pirámide de Cholula, die nach dem Volumen größte Pyramide der Welt! Zurzeit findet um das gigantische Bauwerk herum ein großes Volksfest mit Achterbahnen und einem riesigen Markt statt, sodass ich als Bayer die in wenigen Tagen beginnende Wiesn gar nicht groß vermissen muss.

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Nachdem wir an einem Straßenstand mittags zusammen verschiedene Quesadillas geteilt und durchprobiert hatten, fuhren wir dann zurück nach Puebla, wo uns Rodrigo und Mario die nächsten Sehenswürdigkeiten und Geheimtips, wie zum Beispiel ein kostenloses Kino für alternative Filme oder ein Konzerthaus , in dem regelmäßig traditionelle Musik aufgeführt wird, zeigten. Nachdem wir den Zócalo, die Kathedrale von Puebla, die Casa de la Cultura, einen Markt und noch ein paar andere Dinge angeschaut hatten, fuhren wir wieder zusammen zu Saras Familie, wo wir wieder ein super leckeres mexikanisches Mahl genießen durften.

Am nächsten Tag trafen sich alle Freiwilligen mit Reinhart und Vanessa, einer Ansprechpartnerin von weltwärts in der Universidad de las Américas, um noch einmal über Verhaltensregeln in Bezug auf unsere Sicherheit zu sprechen.

Und am Dienstag war es dann endlich soweit: Reinhart hatte unsere erste mexikanische Fiesta organisiert! Wir Freiwilligen und ganz viele Mexikaner genossen einen wunderschönen Abend mit viel leckerem Essen und viel Musik und natürlich ganz viel Tanz. Es gibt hier ganz viele recht einfache Tänze, bei denen man schnell mittanzen kann. Als wir dann alle gemeinsam Macarena tanzten, blickten wir dann aber trotzdem in viele überraschte mexikanischeGesichter, die sich fragten, warum die Deutschen denn jetzt auf einaml diesen Tanz so gut konnten!

Mittwoch vormittag beantragten wir dann zusammen die Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigung, was wegen der vielen bürokratischen Hürden, die einen sich ganz heimisch fühlen lassen, nicht ganz leicht ist. Aber der erste Schritt ist getan und wir sind alle zuversichtlich, dass wir ein ganzes Jahr hier bleiben dürfen.

Nachmittags sollten wir uns dann bei den Einsatzstellen vorstellen, da sich aber der Africam Safari Park zu weit weg befindet, musste ich dies nicht machen und hatte somit einen freien Nachmittag. Diesen nutzte ich, um einfach mal auf eigene Faust mein Viertel, also das Zentrum von Puebla, zu erkunden. Die wunderschönen alten Gebäude, die verrückten kleinen Läden, die man überall entdecken kann und der Kontakt mit den total offenen und freundlichen Menschen hier, machen mich wirklich sehr froh über die Lage meiner WG, von der aus ich so viel unternehmen kann.

Zum Schluss einfach noch ein paar Eindrücke von Puebla:

Abschied

Die letzten Tage und Stunden, die ich hier in Deutschland verbringe, lassen irgendwie einen seltsamen Eindruck bei mir zurück. Im einen Moment erledigt man noch emsig die letzten Besorgungen, nur um im Nächsten in Gedanken an das, was da auf einen zukommt, zu versinken. Denn das große Abschiednehmen hat begonnen und man blickt schon wehmütig auf all das, was man nun tausende von Kilometern zurücklassen wird. Gerade deshalb genieße ich aber die übrigen Stunden mit meinen Freunden wirklich in vollen Zügen. Die letzten Tage sind manchmal aber schon nochmal ganz schön stressig geworden, da man dann doch noch viele Dinge zu erledigen hatte.
Letzten Freitag habe ich nun endlich auch die letzten Gastgeschenke gekauft und in natürlich wunderbar blau-weiß-bayerisches Geschenkapier verpackt (sogar für meinen mexikanischen Hund sind ein paar Leckerli dabei).
Am Samstag standen dann schon die Vorbereitungen für meine Abschiedsparty auf dem Programm: für meine mexikanische Fiesta kochte und backte ich mit meiner Familie nur so was die Küche hergab, schließlich wollte ich ja meinen Freunden die kulinarischen Vorzüge von Mexiko beweisen.

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Abends feierten wir dann in unserem mexikanisch dekorierten Garten solange, bis sich das Wetter von seiner doch recht nassen deutschen „Sommer“-Seite zeigte. Trotzdem hatte ich, nachdem wir hektisch die Tische und das Essen ins Haus gerettet hatten, einen wunderschönen Abend und ich möchte mich nochmal ganz herzlich bei Euch Allen dafür bedanken, dass ihr mir diese Nacht unvergesslich gemacht habt.

 

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Um gleich optimal auf Mexiko vorbereitet zu sein, hat mir mein Vater auch schon die ersten Pesos mitgebracht – die bunten Scheine in der Hand zu halten ist wieder so etwas, was das Auslandsjahr wirklich greifbar macht.
Und schlussendlich gings dann natürlich ans Koffer packen: neben Klamotten, Gastgeschenken, Kamera und Laptop dürfen natürlich auch nicht die Spanisch-Sachen und meine Schnorchelausrüstung fehlen, schließlich gibt es in Mexiko wunderschöne Riffe, die jedes Taucherherz höher schlagen lassen.

Morgen früh werde ich dann mit dem Auto nach Mainz fahren und ein letztes Mal meinen dort wohnenden Bruder besuchen, bevor dann am Samstag um 13:25 Uhr ein Flugzeug mit 11 Rot-Kreuz-Freiwilligen an Bord von Frankfurt nach Mexiko City aufbrechen wird.
Mein nächster Eintrag wird dann also schon aus Puebla hochgeladen werden und Euch mit all den neuen Eindrücken versorgen, die dort auf mich einstürzen werden.

Zum Schluss dieses Artikels möchte ich mich noch einmal bei all den Leuten bedanken, die mich in den vergangenen Wochen und Monaten so tatkräftig bei meinem Vorhaben unterstützt haben: allen voran natürlich meine Familie und Freunde, die Betreuer und anderen Freiwilligen des Badischen Roten Kreuzes, mein Spanisch-Lehrer und meine Taucherkollegen, meine Lehrer und meine Mit-Musiker – ohne Eure Hilfe und Euren Zuspruch wäre all das vielleicht gar nicht möglich gewesen, dafür ein riesengroßes

DANKESCHÖN!!!

Ich möchte euch Allen mit diesem wunderschönen Gedicht von Franz Schubert Lebewohl sagen, das uns unser Betreuer Sören mit auf den Weg gegeben hat:

Abschied

Lebe wohl, du lieber Freund,
ziehe hin in fernes Land
nimm der Freundschaft trautes Band,
und bewahrs in deiner Hand,
Lebe wohl, du lieber Freund!

Lebe wohl, du lieber Freund!
Hör in diesem Trauersang,
Meines Herzens innerer Drang,
Tönt er doch so dumpf und bang,
Lebe wohl, du lieber Freund!

Lebe wohl, du lieber Freund!
Scheiden heißt das bittre Wort,
Weh, es ruft dich von uns fort,
hin zu dem Bestimmungsort,
Lebe wohl, du lieber Freund!

Leb wohl, du lieber Freund!
Wenn dies Lied dein Herz ergreift,
Freundes Schatten näher schweift,
Meiner Seele Saiten streift.
Lebe wohl, du lieber Freund!

Mein erster Eintrag

Verdammt ist das eng in so einem Bus, wenn man auch noch einen Laptop auf den Knien hat!

Hola,¿qué tal? und herzlich Willkommen auf meinem Blog! Ich sitze also gerade in einem Reisebus von Frankfurt nach München und schreibe unter extremen Platznöten diesen meinen ersten Eintrag. In Frankfurt habe ich heute mein Visum im mexikanischen Generalkonsulat abgeholt und somit den letzten Punkt auf meiner langen Liste an Vorbereitungen für meinen Freiwilligendienst abgehakt. Gut, dass meiner Abreise nun nichts mehr im Wege steht, denn in nicht mal mehr zehn Tagen geht es ja schon los! Doch ich will mal ganz geordnet erzählen, damit Euch wenigstens eine kleine Chance bleibt, meine Entscheidung und meinen Weg zu diesem Abenteuer nachzuvollziehen:

Alles begann vor ungefähr einem Jahr: die altbekannte Frage, was man denn mal werden wolle, wenn man erwachsen sei, gewann mit meinem achtzehnten Geburtstag und dem bedrohlich näher rückenden Abitur auf einmal dramatisch an Brisanz. So begann ich also, mir Gedanken darüber zu machen, was ich mit meinem Leben anfangen will, wenn erst einmal die Zeit des Gleichungen Lösens, Vokabeln Wiederholens und der Gedichtanalysen vorbei sei – meiner ungeheuren Lebenserfahrung geschuldet fiel mir da natürlich erstmal ein: nichts. Also dachte ich mir, probieren geht über studieren und somit stand für mich schnell fest, dass ich nach meinem Schulabschluss nicht sofort im Studium weiter büffeln, sondern etwas wirklich Neues ausprobieren möchte.

Zunächst spielte ich mit dem Gedanken, ein Jahr work-and-travel in Australien, Neuseeland oder Kanada zu machen, doch die Kultur dieser Länder gleicht doch sehr unserer europäischen und ich wollte ja wirklich mit einer vollkommen anderen Welt in Berührung kommen. Also überlegte ich weiter und hatte schließlich nach mehreren Umwegen Lateinamerika als Ziel im Sinn.

Da ich auf meiner Schule leider nur Englisch als lebende Fremdsprache gelernt habe, wollte ich nach dem Abitur sowieso noch Spanisch lernen und dort könnte ich es ja dann richtig anwenden und so schnell verbessern.

Ich begann also, mir im Internet verschiedenste soziale Projekte in Ecuador, Bolivien und in anderen südamerikanischen Ländern anzusehen, doch musste ich schnell feststellen, dass es wirklich nicht leicht ist, sich so ein Jahr in der Fremde komplett zu organisieren. Eine Freundin erzählte mir dann von dem weltwärts-Programm und nannte mir auch gleich zwei Entsendeorganistaionen, nämlich das Badische Rote Kreuz und den Internationalen Bund. Da während meiner ganzen Überlegungen schon ziemlich viel Zeit vergangen war, musste ich dann wirklich in allerhöchster Eile meine Bewerbungsunterlagen zusammenstellen und abschicken, schaffte es aber überraschenderweise mehr oder weniger pünktlich noch, sodass mich beide Organisationen auf Bewerbungswochenenden einluden. Die überstand ich auch halbwegs unbeschadet und so begann das lange Warten auf die Antworten. Wenige Wochen später hielt ich dann überglücklich sogar Zusagen von beiden Organisationen in der Hand und entschied mich nach einigem Überlegen für meine Stelle im Africam Safari Park in Puebla und somit für das Badische Rote Kreuz als Betreuer meines Freiwilligendienstes.

Mit diesem Entschluss begann dann aber erst so richtig das Organisieren, denn vor der Ausreise werden wirklich unzählige Unterlagen benötigt: Personalbögen, Atteste, Kündigungen von Mitgliedschaften beim ADAC und diversen anderen Vereinen, Führungszeugnisse, Lebensläufe und noch vieles mehr konnten einen da schon mal richtig ins Schwitzen bringen, vor allem wenn sie auch noch auf Spanisch sein mussten! Und daneben immer noch mehr oder weniger fleißig fürs Abi lernen und unzählige Impfungen über sich ergehen lassen, machten die vergangenen Wochen also nicht unbedingt zu den entspanntesten meines Lebens. Vor allem da man trotz allem von der Situation im Ausland noch relativ wenig Ahnung besaß.

Das änderte sich aber schlagartig mit dem ersten Vorbereitungsseminar in Triberg vom 20. bis zum 25. Juli: gemeinsam mit knapp dreißig anderen Freiwilligen, die nach Chile, Peru oder ebenfalls nach Mexiko entsendet werden, lernte man eine Woche wirklich unglaublich viel über seine Einsatzstelle und die Kultur im jeweiligen Land, beschäftigte sich aber auch intensiv mit dem Thema Entwicklungshilfe und den Möglichkeiten und Grenzen eines Freiwilligendienstes. Gleichzeitig wuchs die Gruppe durch viele gemeinsame Aktivitäten und Spiele unglaublich stark zusammen, sodass sich am Ende der Woche alle schon riesig auf das nächste Seminar einen knappen Monat später freuten.

Auf diesem wurden dann wieder ganz unterschiedliche Themen behandelt: ein wirklich sehr interessanter Vortrag über humanitäres Völkerrecht, die Beschäftigung mit persönlichen Krisen, ein Erste- Hilfe- und ein Selbstverteidigungskurs standen neben vielem Anderem auf dem Programm. Nichtsdestotrotz konnte man aber auch seine Freizeit gemeinsam in vollen Zügen genießen, da die wunderschöne Lage der Jugendherberge in Breisach direkt am Rhein dazu wirklich sehr viele Möglichkeiten bot. Damit ihr einen kleinen Eindruck gewinnen könnt, hier ein Video, das Alexandre, einer der anderen Freiwilligen, die auch nach Puebla gehen und der sogar in der selben Einsatzstelle arbeiten wird wie ich, während der Woche gedreht hat:

Am letzten Abend nahmen wir alle direkt am Rheinufer an einer, von unseren Betreuern wirklich unglaublich schön gestalteten Entsende-Zeremonie teil, bei der uns unsere Rot-Kreuz-Ausweise und die Flugtickets überreicht wurden. Als ich meins dann also endlich in den Händen hielt, beschlich mich ein ganz besonderes Gefühl, da mit dieser Eintrittskarte zu meinem Abenteuer all das, worauf ich mich wochenlang vorbereitet hatte, auf einmal zu etwas wirklich Konkretem, etwas Realem wurde.

Am nächsten Tag stand dann schon der letzte, aber auch bewegendste und schönste Teil der Woche auf dem Programm: die Verabschiedung der Freiwilligen. Über die zwei gemeinsam verbrachten Wochen waren wir alle wirklich unglaublich eng zusammen gewachsen, sodass es mir sehr schwer fiel, meinen neu gewonnenen Freunden, die nach Chile und Peru reisen werden, Lebewohl zu sagen.

Ich wünsche wirklich allen meinen Sittenstrolchen ein wunderbares Jahr voller neuer Erfahrungen und ganz besonderen Momenten und freue mich schon darauf, Euch alle in einem Jahr wieder zu sehen!!!

Letztens Dienstag tat sich dann mal wieder etwas in meinem eMail-Postfach: die Informationen über unsere Gastfamilien waren endlich da! Und für mich gab es gleich eine Riesenüberraschung, denn ich werde meinen Freiwilligendienst nicht wie die anderen in einer „normalen“ Familie verbringen, sondern werde gemeinsam mit drei jungen Männern und einem Hund in einer Wohngemeinschaft direkt im Stadtzentrum von Puebla leben. Einer der Drei ist der Sohn der Gastfamilie von Sara, ebenfalls einer Freiwilligen des Roten Kreuzes. Ich freue mich also wirklich schon unglaublich auf diese für mich vollkommen neue Situation und bin schon total gespannt auf die Drei!

Mit dieser Information bin ich und Ihr hoffentlich auch nun also halbwegs vollständig über meinen Freiwilligendienst informiert. Heute ist das nun wirklich ein sehr langer Artikeln geworden und es gibt immer noch so viel, was ich Euch berichten könnte. Aber bevor Ihr jetzt einschlaft, höre ich lieber auf und bedanke mich für Euer Interesse!

Mein nächster Eintrag wird voraussichtlich nächste Woche kurz vor meiner Ausreise erfolgen. 

Bis dann

Euer Jonathan